Geschichte des SC Olang

Über die Verbreitung des Schachspiels in Olang und der Gründung

des Schachclubs gibt die Chronik folgende Auskunft:

"Das Schachspiel hatte früher in Olang eigentlich keine große Tradition. Zwar gab es schon länger einzelne Leute, die Schach spielten, aber das scheint sich fast nur in häuslichem Rahmen abgespielt zu haben. Zum ersten Mal wurde in den Jahren 1973/74 auch öffentlich gespielt, und zwar trafen sich an die sieben bis acht Spieler ohne große Regelmäßigkeit in der Bar des Hotels "Olaga". Da jedoch damals nicht regelmäßige Schachabende eingeführt und auch noch nicht an eine richtige Vereinsgründung gedacht wurde, versandeten diese ersten Anfänge nach einer gewissen Zeit.

Erst im Jahre 1981 begann sich wieder etwas zu regen, als sich ein paar Interessierte, allen voran Dr. Reinhard Bachmann, zusammenfanden und nach einiger Spielerfahrung im privaten Kreis die Initiative ergriffen, regelmäßige Schachabende einzuführen. Das Ganze begann recht einfach: man fand im Hotel "Olaga" noch drei Sätze Schachfiguren aus den 70-er Jahren, die Schachbretter wurden selbst gebastelt. Die Suche nach einem eigenen Lokal war nicht recht einfach. Man begann im Herbst 1982 zuerst im Aufenthaltsraum des Hotels "Keil" in Oberolang, aber der Anfang der Wintersaison setzte dieser Möglichkeit bald ein Ende.

Ein paar Mal spielte die immer noch recht kleine Gruppe im Garni "Moser" in Mitterolang, bis man im Laufe des Winters in das Cafe "Weinstadl" in Mitterolang übersiedelte, um dort an den Montagen regelmäßig zu spielen. Dort konnte die Gruppe bleiben, bis sich im Herbst 1983 - als sich bereits ein künftige Teilnahme an der Südtiroler Mannschaftsmeisterschaft abzeichnete - erwies, dass auch diese Gastwirtschaft als Dauerlösung nicht in Frage kam, besonders weil dort kein abgeschlossener Raum zur Verfügung stand.

Inzwischen waren allmählich weitere Spieler dazugekommen, sodass im Frühjahr 1983 bereits regelmäßig jedesmal an fünf bis sechs Brettern gespielt wurde. Einige Spieler kauften privat Schachspiele, Bretter und Uhren ein, die sie einstweilen dem Verein zur Verfügung stellten. Auch wurden Kontakte nach außen geknüpft, um allmählich ins Schachgeschehen des Landes eingeführt zu werden. Man veranstaltete freundschaftliche Begegnungen mit den Welsberger Spielern, gegen die die junge Olanger Mannschaft gleich nicht schlecht abschnitt, sowie mit der in der Südtiroler B-Liga spielenden Mannschaft des traditionsreichen Schachclubs Niederdorf, dort allerdings noch mit recht mäßigen Erfolgen.

Bevor man Ende Juli 1983 eine Sommerpause einlegte, wurde aber noch ein erstes internes Halbblitzturnier veranstaltet, über welches dann in der Tageszeitung "Dolomiten" ein Bericht erschien.

All das hat die Spielfreude und das Interesse der Olanger Schachfreunde in kürzester Zeit in einen sehr erfreulichem Maße anwachsen lassen, und diese Begeisterung gab allen recht bald die nötige Zuversicht, die es brauchte, um einen entscheidenden Schritt zu wagen. Als man im Herbst 1983 die Schachabende im Cafe "Weinstadl" wieder aufnahm, lag es praktisch schon in der Luft, was den Initiatoren schon länger als geheime Wunschvorstellung vorgeschwebt war: man entschloss sich, eine regelrechte Vereinsgründung vorzunehmen und bereits in den anstehenden Spielsaison an der Landes-Mannschaftsmeisterschaft des Südtiroler Schachbundes teilzunehmen. So fuhren dann einige Mitglieder zur Vollversammlung des Südtiroler Schachbundes nach Klausen, und so war der "Schachclub Olang" bereits vor seiner offiziellen Gründung in die landesweite "Familie" des Südtiroler Schachsports aufgenommen.

Die offizielle Gründung erfolgte dann am 19. September 1983 in Anwesenheit folgender Mitspieler:

Hermann Aichner, Reinhard Dr. Bachmann, Peter Heuschreck, Josef Lanz, Andreas Moser, Herbert Moser, Hubert Moser, Josef Moser, Erich Rauter, Jürgen Rauter.

Folgender Ausschuss wurde für zwei Jahre einstimmig gewählt:

Vorsitzender: Reinhard Dr. Bachmann

Kassier: Hermann Aichner

Schriftführer: Herbert Moser

Der Vorsitzende berichtete über die Schachbund-Vollversammlung in Klausen und über den zu erwartenden Verlauf der Südtiroler Mannschaftsmeisterschaft. Da sich genügend Spieler bereit erklärten, ständig mitzuspielen, entschloss man sich, den neu gegründeten Verein gleich zur Teilnahme an der Meisterschaft der C-Landesliga anzumelden.

Das Training wurde dann sofort aufgenommen und wir hatten das Glück, dass Herr Karl Micheli vom Schachclub Bruneck, welcher nationaler Meister ist und den Titel eines FIDE-Lehrers hat, sich bereit erklärte, öfters zu unseren Schachabenden zu kommen um unser spielerisches Können verbessern zu helfen. Durch seine theoretischen Unterweisungen und durch die Möglichkeit, gegen ihn spielen zu können, ist tatsächlich eine nicht zu unterschätzende Verbesserung unserer Spielstärke erreicht worden. Besonders wichtig war es auch, dass manchem überhaupt erst die Erkenntnis kam, dass neben dem bloßem Spielen auch die Beschäftigung mit der Schachtheorie wichtig ist und dass ab einem gewissen Punkt nur so überhaupt Fortschritte zu erzielen sind. Es ist als eine erfreuliche Folge zu verzeichnen, dass sich einige daraufhin selbst Schachliteratur besorgt haben und sich seither auch selbst zu Hause weiterbildeten.

Auch einige weitere Spieler sind im Laufe der Saison 1983/84 dazugekommen, sodass bis zum Sommer '84 an die 20 Spieler zu den Schachabenden kamen, einige allerdings nur selten, aber die Zahl der jedes Mal Anwesenden betrug etwa zehn bis 14. "

 

 Aufgezeichnet von

Schriftführer Herbert Moser

In den nächsten Jahren erlebte das Schachspiel in Olang sicherlich eine Blütezeit. Das Pustertaler Dorf rückte immer mehr in den Mittelpunkt der Südtiroler Schachszene, und das nicht zuletzt durch die Ausrichtung eines internationalen Halbblitzturniers im Sommer. Schon 1986 gab es im Clubhaus Grund zum Feiern, glückte doch der Mannschaft nach zwei Lehrjahren der Sieg der Gebietsliga C-Ost. Auch in der anschließenden Play-off-Runde überzeugte der Verein, sodass der Aufstieg in die B-Liga bei der erst dritten SMM-Teilnahme zur Gewissheit wurde. Schriftführer Herbert Moser notierte im Buch der Chronik:

"Nicht nur die Tatsache, dass unser Klub sämtliche Spiele gewann, sondern auch das Verhältnis der gesamten Brettpunkte unterstrich unseren verdienten Aufstieg in die B-Liga."

Darüber hinaus hielt der Schriftführer im Buch auch die Leistungen der einzelnen Spieler fest, und ganz oben in der Rangliste standen Renato Summa mit 8 Punkten aus 9 Spielen und der erst 14-jährige Jürgen Rauter mit 7 aus 9, der noch im selben Jahr völlig überraschend das 1. Osterturnier in Kaltern als Sieger beendete.

Noch im selben Tätigkeitsjahr ebnete der Club den Weg für den interessierten Nachwuchs mit einem Schachkurs, an dem sich 21 Spieler beteiligten. Die damals geäußerten Hoffnungen, dass die

"Heranbildung von jugendlichen Spielern Nachwuchsprobleme verhindert und das Fortbestehen des Clubs auf längere Sicht gewährleistet",

erfüllten sich - wie der weitere Verlauf der Geschichte zeigt - jedoch nicht. Die Auswirkungen zeigten sich bald, als schon nach wenigen Jahren die Begeisterung und das Interesse für das königliche Spiel sich legte. Bei der Vollversammlung am 24. Februar 1994 stellte Präsident Reinhard Bachmann die Frage, ob der Club weiterbestehen soll, zur Diskussion. Nachdem eine Arbeitsaufteilung unter Dach und Fach gebracht wurde, beendete der Präsident die Besprechung mit den viel sagenden Worten "mit den besten Wünschen für die kommende Meisterschaft". Damit blieb der Verein bestehen.

Diese erste überwundene Krise solle jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in den Jahren zuvor nicht trotzdem gute und zählbare Ergebnisse gab. Zwar konnte im ersten B-Liga-Jahr der Klassenerhalt nur um einen halben (!) Brettpunkt gesichert werden, aber im Jahr danach folgte ein sicherer Platz im Mittelfeld. Großen Anteil daran hatten dabei Spieler wie Jürgen Rauter, Josef Lanz, Renato Summa und Neuzugang Karl Gerstl. Und auch im Spieljahr 1989/90 sorgten diese vier Spieler für Angst und Schrecken bei den Konkurrenten, als es in einem der spannendsten Duelle in der Geschichte der B-Liga um die beiden Aufstiegstickets für die A-Liga ging.

Allerdings endete jene Meisterschaft äußerst unglücklich. Als am siebten Spieltag Olang mit einem Punkt Vorsprung die Spitzenposition der Rangliste bezog, lag der Aufstieg in greifbarer Nähe. Eine hohe Niederlage gegen Bruneck II kostete den Club daraufhin ausser der Tabellenführung gleich drei Ränge, und auch ein hoher Sieg am letzten Spieltag rettete nichts mehr. Punktegleich mit dem Kreissieger Klausen blieb Olang nur der undankbare vierte Platz.

In den darauffolgenden Sommermonaten zeichnete sich ein Wechsel Jürgen Rauters zum Schachclub Bruneck ab, wo er eine Spielmöglichkeit in der A-Liga erhielt (Anmerkung: Einige Jahre später gab er das Versprechen, für ein Jahr zu Olang zurückzukehren, und er hielt Wort...). Der Verlust konnte nicht mehr kompensiert werden: Ohne ihre Nummer Eins zerplatzte im nächsten Meisterschaftsjahr der Traum vom Klassenerhalt ebenso wie zwölf Monate zuvor jener vom Aufstieg in die höchste Liga. Die Rückkehr in die B-Liga erfolgte erst wieder für das Spieljahr 1995/96, als der Südtiroler Schachbund dem allgemeinen Wunsch nach Reformen nachgab und die B-Liga von damals 12 auf 20 Mannschaften aufstockte. Das Ziel, in der B-Liga zu bleiben, konnte erneut nicht erreicht werden, und Schuld daran — war ein halber (!) Brettpunkt.

Zwischen den Höhen und Tiefen der Anfangsjahre erlebte der Schachclub Olang in den Jahren 1986 bis 1992 seine beste Zeit, als zwischen der B- und D-Liga in sechs aufeinander folgenden Mannschaftsmeisterschaften jeweils zwei Teams im Einsatz standen. Wegen der beschränkten Mitgliederzahl wurde es aber immer schwieriger, alle Bretter zu besetzen, weshalb sich die Clubführung ab der Saison 1992/93 nur noch mit einer Mannschaft an der SMM beteiligte.

Mit vereinten Kräften gelang im Frühjahr 1997 der sofortige Wiederaufstieg in die B-Liga.

Für die zweithöchste Liga wurde dem Klassenerhalt verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt. Dieser konnte und musste aus eigener Kraft geschaffen werden, denn ab der Saison 1997/98 stand auch fest, dass Karl Gerst, der Schachfreund aus Latsch in Vinschgau, nicht mehr zur Verfügung stand. Der Aderlass im Verein fand damit eine scheinbar unaufhaltbare Forsetzung, deshalb war es schon einem glücklichen Umstand zu verdanken, dass Olang mit Andreas Steger vom Schachclub Sand in Taufers einen Neuzugang erhielt.

Trotzdem konnte das Niveau der B-Liga wieder nicht lange gehalten werden. Mit Entsetzen sahen sämtliche Spieler dem Treiben zu, das sich am letzten Spieltag gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten auf zwei Brettern abspielte und ein weiteres Mal den Absturz in die C-Liga besiegelte. Was dann folgte war der sichere Sieg der C-Liga Ost und der damit verbundene Wiederaufstieg. Hier zeigte Jürgen Rauter, in Bruneck zu einem der besten Spieler des Landes gereift, seine menschliche Größe, indem er sein Versprechen einlöste und für eine Saison zu seinem Heimatverein zurückkehrte. Mit ihm als Stütze ging ein Ruck durch die Mannschaft und der Verein beendete als Aufsteiger die Saison 2000/01 als Dritter in der B-Liga Ost. Das beste Ergebnis seit vielen Jahren.

Welchen Unterschied ein Spieler seines Formats für einen Verein wie den SC Olang bedeutet, zeigte sich ein Jahr später, als ohne Jürgen Rauter nur noch der siebte Platz übrigblieb. In der Saison 2002/03 konnte sich der Verein wieder als B-Liga-Verein etablieren, die Meisterschaft endete mit dem fünften Rang, und im Meisterschaftsverlauf war der SC Olang sogar zwei Spieltage lang Tabellenführer.

Inzwischen konnte der Verein auch bei der Jugendarbeit wieder kleinere Fortschritte erzielen. Diese zeigten sich, als Olang im Tätigkeitsjahr 2002/03 erstmals durch junge Spieler(-innen) aus Gais, die Andreas Steger in einem Schachkurs "entdeckte", in den Teilnehmerlisten des Südtiroler Jugend-Grand-Prix vertreten war. Nicht unerwähnt bleiben darf dabei das Abschneiden von Ramona Walcher, die in der U12-Gesamtwertung auf Anhieg den vierten Rang erreichte, wobei sie in einigen Turnieren auch etwas Pech hatte und des öfteren einen Platz am Podest verpasste. Darüber hinaus bewegten auch zwei Olanger Jugendliche die Figuren bei den wöchentlichen Schachabenden, aus verschiedenen Gründen legte sich auch ihr Interesse. Ein weiterer talentierter, junger Spieler aus Rasen, es handelt sich dabei um den 10-jährigen Tobias Renzler, gibt derzeit Anlass zur Hoffung.

Ob das nun der Wendepunkt ist, damit an der Geschichte des SC Olang weitere 20 Jahre weitergeschrieben werden kann, wird die Zukunft zeigen.

 

Verfasst von Andreas STEGER